Architekturtheorie und Architekturphilosophie

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Vermehrung dieser Wissensqualitäten auch zu besserer Orientierung führt. Welche Ziele sollen architektonisches Handeln leiten? Welche Vorstellungen von Raum, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Kultur oder Lebensqualität liegen dem Entwerfen zugrunde? Und welche Rolle kommt der Architekturtheorie bei der Reflexion dieser Fragen im Rahmen der Unterscheidung von Verfügungs- und Orientierungswissen zu? Während Verfügungswissen die Mittel bereitstellt, die Welt zu gestalten, reflektiert Architekturtheorie als Orientierungswissen deren Voraussetzungen, Ziele und Sinnzusammenhänge. Sie erscheint damit nicht als bloßer Überbau architektonischer Praxis, sondern als eigenständige Form der Selbstverständigung über Bedingungen und Zwecke des Bauens. Bereits der klassische Begriff der Theorie verweist auf diese Funktion. Theorie bezeichnet nicht nur wissenschaftliche Erklärung, sondern auch Kontemplation, Spekulation und die Betrachtung des Ganzen. Sie bewegt sich zwischen sinnlicher Erfahrung und begrifflicher Erkenntnis sowie zwischen Analyse und Synthese. Theorie reflektiert nicht nur Gegenstände, sondern auch die Bedingungen des Denkens selbst und ist damit Erkenntnisform und Praxis der Reflexion zugleich. In der Gegenwart hat sich der Theoriebegriff pluralisiert. Philosophische, historische, soziologische, medientheoretische, ökologische und technologische Ansätze eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Architektur und Entwerfen.






